Bild und Blick – Sehen in der Moderne

 11/08/2018 – 07/07/2019

„Der Betrachter ist im Bild“ – diese Formulierung des Kunsthistorikers Wolfgang Kemp meint, dass der Künstler den Betrachter in der Konzeption seines Werks mitdenkt und damit dessen Standpunkt vor dem Bild festlegt. Der Weg der Abstraktion im 20. Jahrhundert geht mit einer Konzentration auf die malerischen Mittel sowie der Behandlung der Leinwandoberfläche einher.  Es stellt sich die Frage, wie sich der Verzicht auf figurative und erzählerische Elemente auf die Bildwahrnehmung auswirkt. Welche Rolle wird dem Betrachter zugewiesen, wenn die Leinwand nicht mehr als „offenes Fenster“ („una finestra aperta“) fungiert, als das sie Kunsttheoretiker Leon Battista Alberti verstand?
Mit dem Fokus auf die Leinwandoberfläche – und damit auf die Malerei selbst – ergeben sich für den Betrachter unterschiedlichste Möglichkeiten: Während streng geometrische Flächen den Blick in den eigenen Wirklichkeitsraum zurückwerfen, erzeugen gestische Techniken wie die von Jackson Pollock die Illusion eines Raums hinter der Leinwand. Ähnliche Wirkungen haben Weißmalereien, die als zielgerichtete Darstellung des Nichts Unendlichkeit vortäuschen. Rhythmische Strukturen hingegen halten den Blick auf der Leinwandoberfläche fest. Ab den 1960er Jahren halten Künstlerinnen und Künstler den Betrachter dann dazu an, in eine direkte, wenn nicht sogar physische Interaktion mit dem Kunstwerk zu treten.
Zu sehen sind unter anderem Werke von Carl Buchheister, Robert Delaunay, Otto Freundlich, Raimund Girke, Gotthard Graubner, František Kupka, Adolf Luther, Piet Mondrian, François Morellet, Jackson Pollock, Michael Raedecker, Karl Schmidt-Rottluf und anderen.

Kuratorin: Julia Nebenführ