31.7.-19.9.2010
Firtz Stier, Bodhi, 2007
Im Rahmen der REGIONALE 2010 ist in der Video-Box dis>play eine Arbeit des Mannheimer Künstlers Firtz Stier zu sehen.
In der Arbeit „BODHI“ (sanskrit: Erwachen, Erkennen, Wissen) geht es um äußere Gewalt und innere Stärke, die Sehnsucht nach metaphysischer Heimat und um den Wunsch nach Unsterblichkeit. Die Heiterkeit der vermeintlichen Opfer verweist, wenn man der japanischen Ikonografie folgt, auf einen vollkommen erleuchteten Geist. Im Zentrum der Arbeit sieht man Gesichter, die in einem schlafähnlichen, kontemplativen Zustand versunken sind. Die Gesichter sind weißbläulich gefärbt, fast wie antike Marmorbüsten, was durch die Projektion auf mattschwarze Hartschaumplatten noch verstärkt wird.
Rechts bzw. links ist jeweils eine Pistole auf die Schläfe gerichtet. Durch sichtbar leichte Bewegungen der Hand erscheint die Situation so, als würde in wenigen Mo-menten abgedrückt. Tatsächlich dauert es jedoch minutenlang, bis die Schüsse fallen. Die Menschen sinken aber nicht getroffen zusammen, sondern erwachen aus ihrem komatösen Schlaf, aufgeschreckt, aber meist befreit lachend. Das lachende Gesicht wird nach wenigen Sekunden ausgeblendet und macht Platz für eine neuerliche „Hinrichtung“.
Der Begriff „Bodhi“ wird auch mit dem Moment der Erleuchtung in Verbindung ge-bracht. Im Zen-Buddhismus sagt man, dass Erleuchtung auf zwei unterschiedliche Arten entstehen kann: Zum einen durch langjährige disziplinierte Meditation, zum anderen schlagartig und plötzlich. Letzteres kann auf verschiedenste Art und Weise geschehen. Manchmal auch durch einen lauten kräftigen Schlag mit einem Stock, den der Meister im rechten Augenblick dem Schüler zufügt. Ähnlich dem Schuss in der Installation.