"Sounds and Silence"
01.10.2011 - 09.09.2012
Die Farbe Hellblau setzte der russische Maler Wassily Kandinsky mit dem Klang einer Flöte gleich, Dunkelblau erinnerte ihn an ein Cello und grelles Gelb an die hohen Töne einer Trompete. Synästhetiker können tatsächlich Farben hören und Klänge sehen. Doch auch ohne diese Begabung lassen sich malerische Formen und Farben mit musikalischen Klängen und Melodien verbinden.
Ob als Klänge oder Rhythmen, Harmonien oder Dissonanzen, in Werken bildender Künstlerinnen und Künstler spielen musikalische Elemente häufig eine zentrale Rolle. Das Wilhelm-Hack-Museum widmet den Parallelen zwischen den Welten der bildenden Kunst und der Musik daher die Sammlungspräsentation hackordnung # 3, die unter dem Titel "Sounds & Silence" vom 1. Oktober 2011 bis zum 9. September 2012 zu sehen ist.
In mehreren Sektionen nähert sich die hackordnung dem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. In Gemälden wie "Tabarin" von Max Beckmann oder der "Sitzenden mit Mandoline" von Auguste Herbin wird die Musik über die Wahl der figürlichen Motive behandelt. Eine besondere Vorbildfunktion erlangt die Musik bei der Entwicklung der abstrakten Kunst, da ihre Kompositionselemente von der Nachahmung der äußeren Realität entbunden sind. Stattdessen vermitteln sie Stimmungen und Empfindungen über formale Strukturen, etwa über einen harmonischen Akkord oder einen lebhaften Rhythmus. Werke wie "Farbige Komposition I (Hommage an J. S. Bach)" von August Macke und die "Komposition mit Rot, Gelb und Blau" von Piet Mondrian machen diese strukturellen Parallelen von Kunst und Musik anschaulich. Nicht allein die Noten sind bei einer musikalischen Komposition von Bedeutung, sondern auch die Pausen. Dem Moment der Stille, dem in der bildenden Kunst die räumliche Leerstelle entspricht, widmen sich Werke wie "The Silent Room" von Piero Dorazio oder "Wind" von Günther Uecker. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts entdeckten bildende Künstler und Komponisten Fundstücke des Alltags als gestalterisches Material, das in Klang-, Bild- und Objektcollagen Eingang fand. Zudem gelang in der Kunstform des Happenings ein besonders enger Schulterschluss von bildender Kunst und Musik, der etwa durch das "Piece for Fluxorchestra" von Albert M. Fine oder die "Happeningpartitur Graphis" von Dick Higgins präsentiert wird.
Im Bereich der grafischen Sammlung greifen die viermonatlich wechselnden Präsentationen ebenfalls verschiedene Aspekte von "Sounds & Silence" auf. Am Anfang stehen Vertreter der Pop-Art, die sich von Wolfgang Amadeus Mozart bis zu den Beatles dem Starkult in der Musik angenommen haben. Mit der Schenkung von Heinz Beck gelangte 1988 eine umfangreiche Schallplattensammlung ans Wilhelm-Hack-Museum, die im Rahmen der hackordnung # 3 erstmals umfassend gezeigt wird, darunter befinden sich ebenso Meisterwerke der neuen Musik wie Ikonen künstlerisch gestalteter Plattencover.
Abgerundet wird die hackordnung # 3 von einem vielfältigen musikalischen Begleitprogramm.