Politik am Küchentisch. Ernährung in der Gegenwartskunst
23/05/2026 - 04/10/2026
Wie ernähren wir uns gegenwärtig, wie wollen wir zukünftig essen und leben und welche Auswirkungen wird dies haben? Die internationale Gruppenausstellung „Politik am Küchentisch“ nimmt individuelle wie gesellschaftliche – und somit stets auch politische – Aspekte der Ernährung mit ihren ökologischen, ökonomischen und sozialen Verflechtungen anhand zeitgenössischer künstlerischer Arbeiten in den Blick.
In biologischen und kulturellen Kreisläufen formt uns das, was wir essen. Zugleich nehmen wir durch unsere Entscheidungen Einfluss auf die uns umgebende Um-Welt, sodass wir mit unseren Handlungen den Zustand der Welt am eigenen Küchentisch und im sozialen Miteinander des Essens stets neu prägen. In dieser Ausstellung werden unterschiedliche soziopolitische und ökologische Dimensionen der Ernährung aus künstlerischer Perspektive ausgelotet.
Im aktuellen Post-Anthropozän werden die engen Verflechtungen des menschlichen Handelns mit den ökologischen Krisen zunehmend deutlich, die nicht zuletzt durch die Ernährung geprägt sind. Wir Menschen sind auf die Zuführung von Energie in Form von externer Nahrung biologisch angewiesen und zugleich ist unsere Ernährung kulturell geprägt, symbolisch aufgeladen wie auch sozial bestimmt. Das, was wir essen, macht uns aus, und hat zugleich einen Einfluss auf die Umwelt, in der wir leben und deren Erzeugnisse wir konsumieren. Dabei ist die Ernährung stets mehr als nur eine Energiefrage. Sie prägt nicht nur unser Wohlbefinden, sondern gestaltet unser Sein in und mit der Welt auf verschiedensten Ebenen.
Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte veränderte sich die Ernährung immer wieder und speziell an besonderen Einschnitten, wie der Industrialisierung. Aktuell stehen wir im Post-Anthropozän erneut an einem Wendepunkt, bei dem gerade die Nahrungsproduktion eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Es wird immer deutlicher, dass die Art, wie wir uns ernähren, unser Verhältnis zur Umwelt prägt und in der Ausbeutung der Ressourcen dieser Erde bedeutsam ist. Es macht einen Unterschied, was jeder einzelne Mensch täglich zu sich nimmt, wie es angebaut, eventuell transportiert, verarbeitet und vertrieben wird. Zugleich bewegen wir uns in bestimmten Systemen, die unsere Handlungen und Entscheidungen informieren oder ermöglichen.
Auf der Suche nach zukunftsgerichteten, umwelt- und sozialverträglichen Wegen bieten die hier versammelten künstlerischen Ansätze einen spekulativen Freiraum, der anhand von verschiedenen Mikroerzählungen und oftmals humorvollen Zugangsweisen neue Perspektiven auf eine scheinbar alltägliche Lebensnotwendigkeit bieten. Eine der drängendsten Fragen unserer Zeit scheint zu sein, wie wir uns in aktuellen oder auch alternativen Systemen mit ihrer jeweiligen politischen Steuerung verantwortungsvoll ernähren können und dabei nicht nur soziale Ungerechtigkeiten abbauen, sondern uns und die Erde von, auf und mit der wir leben, bewahren und schützen können.
Kuratorin: Julia Katharina Thiemann
















