Provenienz

Die Provenienzforschung untersucht die Herkunft und Geschichte von Sammlungsbeständen und rekonstruiert die Besitzverhältnisse von Objekten im Laufe der Zeit. Durch die systematische Auswertung von Objekten, Archivalien und historischen Quellen klärt sie, ob es in der Vergangenheit zu unrechtmäßigen Eigentumsübertragungen gekommen ist. Damit leistet die Provenienzforschung einen wichtigen Beitrag zur historischen Aufarbeitung von Unrecht und zur Herstellung von Transparenz im Umgang mit Kulturgut.

Mit der Unterzeichnung der Washingtoner Prinzipien im Dezember 1998 hat sich die Bundesrepublik Deutschland gemeinsam mit 43 weiteren Staaten und 13 nichtstaatlichen Organisationen verpflichtet, NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut zu identifizieren und sich für faire und gerechte Lösungen im Sinne der ehemaligen Eigentümer*innen und ihrer Erb*innen einzusetzen. Die Gemeinsame Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände bekräftigt dieses Ziel und unterstreicht die besondere Verantwortung öffentlicher Einrichtungen bei der Aufarbeitung von Kulturgutverlusten, insbesondere im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik zwischen 1933 und 1945.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das Wilhelm-Hack-Museum seit über zehn Jahren intensiv mit der systematischen Erforschung der Provenienzen seiner Sammlungsbestände. Ziel ist es, die Besitzverhältnisse der vor 1945 entstandenen Werke für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 möglichst umfassend zu rekonstruieren und bei verfolgungsbedingtem Entzug nach fairen und gerechten Lösungen zu suchen. 

Bereits 2015 konnten die Wilhelm-Hack-Stiftung, die Stadt Ludwigshafen und die Erbin der Kunstsammlung von Alfred Hess nach umfangreichen Provenienzrecherchen eine faire und gerechte Lösung im Hinblick auf das Gemälde Urteil des Paris/Badende auf Fehrmarn von Ernst Ludwig Kirchner erzielen. Nach einem mehrjährigen Verfahren wurde eine Einigung erreicht, die sowohl die Restitution als auch den Rückkauf des Werkes zu einem angemessenen Preis beinhaltete und damit den Verbleib des Werkes in Ludwigshafen ermöglichte.

Ein erstes langfristiges Forschungsprojekt widmete sich von 2016 bis 2019 den Gemälden, Skulpturen sowie Zeichnungen der Sammlung. Es wurde von Facts & Files Historians GmbH durchgeführt und maßgeblich vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert. 

Seit Januar 2026 untersucht die Provenienzforscherin Anna Gürteler in einem weiteren, ebenfalls durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekt die Druckgrafiken der Städtischen Sammlung Ludwigshafen.