Provenienz

Die Provenienzforschung widmet sich der Geschichte beziehungsweise Herkunft der Sammlungsbestände. Zahlreiche in der Sammlung befindliche Kunstwerke sind vor 1945 entstanden. Zudem ist ihr Verbleib zwischen 1933 und 1945 nicht geklärt. Da nicht auszuschließen ist, dass diese Werke ihren Eigentümern während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogen wurden und daher zu restituieren sind, untersuchen wir seit mehreren Jahren systematisch die Provenienzen der Bestände.


Ein erstes Forschungsprojekt widmete sich den Gemälden, Skulpturen sowie Zeichnungen der Sammlung. Es wurde vom Historischen Forschungsinstitut Berlin Facts & Files durchgeführt und maßgeblich vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert. Die Gesamtzahl der zu untersuchenden Werke betrug 264. Davon stammten 118 Werke aus der Sammlung von Wilhelm Hack. Dieser hatte in den 1930er Jahren begonnen eine Sammlung mittelalterlicher Kunst aufzubauen, die er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs um den Bereich der Moderne erweiterte. Das Forschungsprojekt konnte unter anderem Hacks zahlreiche Kontakte zu Künstlern und Kunsthändlern in seiner Heimatstadt Köln, aber auch in Paris, offenlegen. Zudem zeigte sich, dass der Sammler, anders als bisher angenommen, auch in den 1950er und 1960er Jahren weiterhin Kunstwerke des Mittelalters erwarb.


Aus den Beständen der städtischen Sammlung wurden 146 Werke untersucht, darunter 93 Gemälde, 44 Grafiken und 9 Skulpturen. Seit Mitte der 1950er Jahre hatte die Stadt Ludwigshafen begonnen eine Sammlung deutscher Expressionisten aufzubauen, die vornehmlich auf dem deutschen Kunstmarkt erworben wurden.


Von den 264 untersuchten Werken konnten 249 als eindeutig unbedenklich eingestuft werden oder es konnten keine konkreten Verdachtsmomente eines verfolgungsbedingten Vermögensverlustes festgestellt werden. Die Provenienz von 15 Werken ist jedoch bedenklich, da Hinweise auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug vorliegen. Die Arbeiten stammen in den meisten Fällen aus jüdischen Sammlungen und Galerien, deren Besitzer*innen verfolgt wurden. Ein NS-verfolgungsbedingter Entzug konnte jedoch nicht eindeutig dargestellt werden.

Das Wilhelm-Hack-Museum wird die Herkunft dieser Werke weiterverfolgen und erhofft sich weitere Erkenntnisse durch die Veröffentlichung der Werke in die Lost Art-Datenbank, der offiziellen deutschen Datenbank zur Dokumentation von Raub- und Beutekunst.

Bereits im Jahr 2016 hatten sich die Wilhelm-Hack-Stiftung, die Stadt Ludwigshafen und die Erbin der Kunstsammlung Hess sich nach umfangreichen Provenienzforschungen hinsichtlich des Gemäldes von Ernst Ludwig Kirchner Urteil des Paris in einem mehrjährigen Verfahren auf eine faire und gerechte Lösung geeinigt, die den Verbleib des Werkes in Ludwigshafen gesichert hatte.

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