Barbara Hindahl
Alles aus Liebe

02/07 - 24/09/2023

In ihrer zeichnerischen Praxis rückt Barbara Hindahl scheinbar Nebensächliches, oftmals Übersehenes oder Verdrängtes in den Fokus. In altmeisterlich anmutender Manier zeichnet sie mit Blei- oder Buntstiften Pfützen, Farbkleckse oder Staubflusen, Computerfehldrucke wie auch Rückseiten von Schmierzetteln, auf denen sich Schrift oder Zeichenhaftes durchgedrückt haben. Dabei geht es Hindahl nur vordergründig um die fotorealistische Wiedergabe ihrer Motive. Bei näherer Betrachtung löst sich der Darstellungsgegenstand in einen komplexen zeichnerischen Mikrokosmos auf, der seine eigene Wirklichkeit behauptet. Tatsächlich kennzeichnet Hindahls Arbeiten eine formale wie inhaltliche Durchlässigkeit, die unsere Wahrnehmung herausfordert und spielerische Denkräume eröffnet.

Die Ausstellung Barbara Hindahl – Alles aus Liebe zeigt eine Auswahl an Arbeiten aus unterschiedlichen Werk- gruppen von 2008 bis 2023, darunter neben Zeichnungen auch zwei Videoarbeiten. Im Fokus der Ausstellung stehen die beiden neuen Werkserien der Künstlerin: BrushStrokes (2020/2021) sowie Pfützen/Puddles (2022/ 2023). Zudem werden auch Arbeiten aus den fortlaufenden Serien Rückseiten und Dirt Fiction sowie Millimeterpapier- Arbeiten ausgestellt.

Die neue Werkserie Brush Strokes zeigt monochrome, gestisch-expressive Pinselstriche in abstrakten Formationen, die Hindahl in akribischer Präzision auf großformatige Papiere überträgt. Die Blätter scheinen keinem kompositorischen Impetus zu folgen; sie wirken zum Teil schemenhaft, wie Studien, mit großen Leerstellen und vereinzelten Farbspritzern und Flecken. Tatsächlich ist es die malerische Geste per se, welche die Künstlerin hier einer präzisen zeichnerischen Analyse unterzieht. Bei aller handwerklichen Perfektion geht es Hindahl nie um Reproduktion oder Nachahmung. Vielmehr bedingt der Akt des Zeichnens Reflexion und Neuerfindung, ja Anverwandlung. Hindahls Interesse gilt der „kleine(n) Diskrepanz zwischen dem, was es vorgibt zu sein, und dem, was es wirklich ist – es, das Dargestellte, das Repräsentierte.“

Mit Pfützen wird eine weitere neue Werkserie von Barbara Hindahl in der Ausstellung präsentiert. Hierbei widmet sie sich dem Motiv, der meist aus Versehen entstandenen und unbeabsichtigten Pfützen. Im Hochformat, meist DIN A3 bringt Hindahl schwarz-weiß mit Bleistift die vagen, feuchten Flächen aufs Papier. Ihre Arbeit beginnt jedoch schon vorher, wenn Hindahl die Pfützen gleich einem Laborversuch in ihrem Atelier selbst herbeiführt. In der Serie Rückseiten überträgt Hindahl vermeintliche Schmierzettel, auf denen sich Schrift oder Zeichenhaftes durchgedrückt haben.

Barbara Hindahl widmet sich seit 2012 dem Millimeterpapier. In der gleichnamigen Serie zeichnet die Künstlerin ihr eigenes Millimeterpapier, wobei sie sich nicht um eine bis in den Millimeterbereich hinein verlässliche Umsetzung der Vorlage bemüht. In einigen Blättern hat Hindahl sich ganz von dem Raster des Ordnungssystems verabschiedet und lässt diese wie ein Geflecht aus Gummifäden erscheinen oder wie ein Maschennetz, dessen Struktur sich in ein eigengesetzliches Liniengewirr auflöst. Weitere in der Ausstellung gezeigte Arbeiten gehöre dem seit 2013 bestehenden Werkkomplex Dirt Fiction an. Ihre Faszination gründet in dieser Serie auf der Wiedergabe flockenartiger Staubgebilde. Neben den zeichnerischen Werken werden auch die beiden Videoarbeiten Star Dust von 2022 sowie Eden von 2008/2014/2024 in der Ausstellung gezeigt. Star Dust zeigt magnetische Staubfelder, die einander anziehen, Staubteilchen, die nach und nach verklumpen und sich auflösen, bis das Abbild eines einzigartigen Universums entsteht. Für das Video Eden hat die Künstlerin eine Ameisenstraße auf eine eigens dafür gebaute ‚Insel‘ umgeleitet. Die Umsiedlung und Urbarmachung der neuen Ameisenwelt präsentiert die Gesellschaft des Ameisenstaates im Detail.

Barbara Hindahl (geboren 1960, lebt in Mannheim und Hannover) studierte Malerei und Zeichnung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Peter Ackermann. Sie lehrt in Hannover an der HS für Design und Medien.
Anlässlich der neuen, in der Ausstellung präsentierten Werkreihen erscheint der Katalog Lost Paintings im Distanz Verlag.

Mehrere farbige Pinselstriche und kleinere Zeichnungen auf einem weißen Hintergrund.Installation auf einer Wiese. In der Mitte ein Kreis aus Gras darum Wasser auf einer Plane. Mehrere Stöcke verbinden die Mitte mit der restlichen Wiese.Gitter aus vielen feinen roten Linien auf weißem Hintergrund.
Mehrere schwarze Farbkleckse, jedoch mit Bleistift gezeichnet, vor weißem Hintergrund.Mehrere tropfenartige Formen in Grautönen auf weißem Hintergrund.