Michael Beutler. Stardust - 16.07. – 25.09.2022

Mit seinen raumgreifenden Interventionen schafft Michael Beutler installative Environments, die stets Bezug zu den räumlichen und sozialen Gegebenheiten vor Ort entstehen. Der Ausstellungsort wird dabei zur Werkstatt. Ausgangspunkt bilden vom Künstler entwickelte Maschinen - selbstgebaute Apparaturen zwischen Spezialwerkzeug und autonomer Skulptur -, die einfache Arbeitsabläufe wie Falzen, Wickeln, Drucken oder Weben ausführen. Papier, Metall, Holz oder Kunststoffe werden so zu skulpturalen Modulen geformt, mit denen Beutler im Team ebenso komplexe wie fragile Konstruktion erschafft.

Für seine Ausstellung im Wilhelm-Hack-Museum realisierte Michael Beutler eine skulpturale Intervention aus selbstgeschöpftem Papier, welche die architektonischen Charakteristika des Museumsgebäudes aufgreift und neu fokussiert. Der Ausstellungsraum wurde dafür weitestgehend "entkernt", um die Aufmerksamkeit auf die tragende Betonarchitektur zu lenken. Diese, wie auch die Miró-Wand - das Wahrzeichen des Museum - dienten als Inspiration für die ortsspezifische Installation.

Im Vorfeld der Ausstellung errichtete Beutler im Innenhof des Museums eine temporäre Werkstatt, in der er und sein Team großformatige "Reiben" konstruierten, um Papier zu schreddern und zu Papierbrei zu verarbeiten. Als Ausgangsmaterial für die Papierproduktion dienten alte Ausstellugsplakate, Flyer und Kataloge. Im übergroßen Schöpfbecken wurde der Papierbrei zu Paneelen und Rollen verarbeitet, welche die Maserung des Sichtbetons aufgreifen und farblich die Miró-Wand zitieren. Als modulare Bausteine strukturieren sie nun den Ausstellungsraum und werden als Objekte selbst Teil der Ausstellungsarchitektur. Auch nach der Eröffnung der Ausstellung bleiben die Werkstattsituation und die Maschinen Bestandteil der Ausstellung und können besichtigt werden.

Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung eine Auswahl älterer Maschinen sowie Modelle und Zeichnungen, wobei einige Modelle im Kabinettstück Abstrakte Räume integriert wurden. Beutlers Projekte können als utopische Arbeits- und Lebensmodelle verstanden werden, die den traditionellen Produktions- beziehungsweise Werkbegriff hinterfragen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Spector Books mit zahlreichen Abbildungen, einer umfassenden Werkchronologie sowie Texten von Astrid Ihle, Verena Kuni, Matthew van der Ploeg, Susanne Witzgall und René Zechlin.

Michael Beutler (geboren 1976 in Oldenburg) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte von 1997 bis 2003 bei Thomas Bayrle an der Städelschule in Frankfurt am Main sowie von 2000 bis 2001 an der Glasgow School of Art.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Astrid Ihle.